"Gemeinsam besser denken? Andere Wege in der Demenz"

Versuch einer philosophischen Annäherung


Im Rahmen des Programmes "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" der Bundesregierung führte die Alzheimer Gesellschaft München von 2013 bis 2015  ein neues Projekt durch. In Zusammenarbeit mit der Philosophin Dr. Celina von Bezold näherten wir uns dem Thema Demenz auf eine ganz andere Weise:

Wenn das Denken langsamer wird, wird es damit schlechter?

Wir sind deshalb Menschen, weil wir mit nichts Dinglichem oder "Normalem" zu vergleichen sind und daher in allem was wir zum Ausdruck bringen, Geist, Sinnsuche und Wachstum darstellen – auch und gerade dann, wenn wir uns defizitär fühlen oder offenkundig erkranken.

Die Idee "Gemeinsam besser denken? Andere Wege in der Demenz" widmete sich mit sechs Abenden den Stärken und Potentialen Demenzkranker für unsere Gesellschaft. In den "Salons" wurde gemeinsam durch Einbindung der sozialen Umgebung, mit Erkrankten, Angehörigen, Ärzten und Pflegern anschaulich gemacht, dass nicht jede Erkrankung unmittelbar einen Weg  einschlagen muss, der zur Abgrenzung von der restlichen Welt führt. Vielleicht ist gar nicht alles anders durch Demenz - sondern nur wahrhafter?

Dies und anderes wurde in freier Atmosphäre an einem guten Ort gemeinsam ergründet und richtete sich an alle, die gerne fragen, denken und staunen.

Die Veranstaltungsreihe begann 2014 mit drei "Salons" und wurde Mitte 2015 mit drei weiteren "Salons" fortgeführt.

Flyer zu den Veranstaltungen im >> Downloadbereich

Salons 2015

Titel Gemeinsam besser denken

 

Beginn: jeweils 18 Uhr.

Ort:

Haus des Stiftens, Landshuter Allee 11, 80637 München

 

Durch die Gespräche führt Dr. Celina von Bezold.

4. Salon am 16. Juni 2015

Was kann ich hier machen und was muss ich hier machen? Demenz im Kontext von Beruf und Nachbarschaft

Im Gespräch mit Nachbarn und Kollegen von Menschen mit Demenz

Überfordert, befremdet und hilflos: anders als Familie oder Freunde stehen Arbeitskollegen oder Nachbarn vor Folgen einer Demenzerkrankung. Wie kann Unsicherheit und Sprachlosig-keit in Behutsamkeit und Mut verwandelt werden, um die Krank-heit zu thematisieren und Wahrnehmungen zu formulieren? Wie schafft man tragfähige Nachbarschaftsnetze? Wie überwindet man die Barriere des Schweigens und findet Worte die verbinden? In welcher Bürgerschaft wäre Demenz verantwortbar, tragbar und sogar bereichernd?

5. Salon am 30. Juni 2015

Würde (be)wahren — wie schaffe ich das nur? Vom Umgang mit Demenz aus Sicht der Pflegerinnen und Pfleger

Im Gespräch mit Pflegekräften

In direkter Nähe erleben PflegerInnen oft das, was die Patienten im Leben am liebsten umgehen würden. Nicht nur die Betroffenen selbst leiden unter diesen Einblicken, auch die PflegerInnen ge-raten an ihre Grenzen, wenn sie mit ihrem Angebot auf Widerstand stoßen, Unberechenbarkeit erleiden oder miterleben, wie sehr jemanden seine geistigen Veränderungen schmerzen. Wie kann man die Würde bei sich selbst wahren und dennoch helfen? Wie kann man jemandem in seiner Schwäche ein Gefühl der Würde vermitteln? Und wo darf man sich auch als PflegerIn abgrenzen und die eigene Schutzzone aufsuchen?

6. Salon am 28. Juli 2015

Gemeinsam besser denken!
Trotz Demenz zusammen leben

Was bleibt an lebensnahen Tipps? Was hat angeregt und die Bedürfnisse abgebildet? Was konnte Anregungen liefern für neue Wege mit der Demenz? Wo können wir ansetzen? Der letzte Abend soll ganz im Zeichen der gemeinsamen Sammlung stehen, wie, wo und warum es sich lohnt, den Dialog zu suchen und die gängigen Auffassungen vom Leistungsspektrum des Menschen zu hinterfragen. Erlaubte Langsamkeit, der Vorrang der Gefühle, soziale Zugehörigkeit — vielleicht ist mit Demenz nicht unbedingt alles anders, sondern nur manches klarer, was für alle eine gute Herausforderung sein kann.

Salons 2014

Salon_1_Philosophie_2014

1. Salon am 22. Mai 2014

Im Gespräch mit Menschen mit Demenz

Wenn wir an Grenzen unserer Möglichkeiten stoßen, fühlen wir uns unfrei. Aber auf welche Art können wir lernen, auch mit den Einschränkungen so umzugehen, dass wir unsere persönliche Freiheit und Würde behalten? Vielleicht ist die Erfahrung von Freiheit nicht immer nur die Verwirklichung unseres Willens, sondern eine kluge Akzeptanz der Realität.

Zeit: 18:30 Uhr 
Ort:  orange bar, Zirkus-Krone-Straße 10, 6. Stock, 80335 München

Salon 2 Philosophie 2014

2. Salon am 21. Juli 2014

Im Gespräch mit Angehörigen

Wenn sich die Rollen in unseren Partnerschaften oder Freundschaften wegen einer Erkrankung verändern, stehen wir schnell vor der Frage, wie weit wir in der Lage sind, bei der neuen Lebensform zu helfen. Nicht selten wird neben der eigenen Überforderung sogar die gut gemeinte Hilfe verweigert. Was ist, wenn man nicht mehr helfen kann oder will? Alternative Sichtweisen und ein anderes Verständnis von Unterstützung soll Thema sein und Mut machen.

Zeit: 18:30 Uhr 
Ort:  orange bar, Zirkus-Krone-Straße 10, 6. Stock, 80335 München

Salon_3_Philosophie_2014

3. Salon am 21. Oktober 2014

Im Gespräch mit Prof. Alexander Kurz

Unser eigenes individuelles Dasein scheint wesentlich beschrieben über die Art wie wir uns verhalten, was wir tun, wie wir uns präsentieren. Doch wer definiert eigentlich wer ich bin? Die Umwelt, ich selbst? Wenn im Falle einer Erkrankung die vielen gelernten Rollen unserer selbst in ihrem Zusammenspiel nicht mehr funktionieren wollen, dann stellen sich die Fragen nach der eigenen Identität neu. Was, wenn das Spiel mit gesellschaftstauglichen Masken nicht mehr geleistet werden kann — oder aber vielleicht auch gar nicht geleistet werden will?

Zeit: 18:30 Uhr 
Ort:  orange bar, Zirkus-Krone-Straße 10, 6. Stock, 80335 München

In Kooperation mit:

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Dr. Celina Josephine von Bezold

Studium der Philosophie an der Hochschule für Philosophie S.J., München. Seit 10 Jahren freiberufliche Tätigkeit als Philosophin mit Schwerpunkt im palliativmedizinischen Bereich, u.a. Referentin der Christopherus-Akademie München (Palliativmedizin und Hospizarbeit). Beratung und Vorträge für Unternehmen u.a. in Zusammenarbeit mit Leistungssportlern (Verena Bentele).

Diverse Methoden im ambulanten philosophischen Dienst: Workshops & Seminare zu den Themen Philosophie, Kunst, Philosophie mit Kindern; philosophische Fortbildungen für Pflegeberufe. Berufliche oder private philosophische Salons, Festreden, Supervision, Einzelgespräche.
Freie schriftstellerische Tätigkeit (u.a. Hörbücher; Lehrgang zur Lebenskunst und die Realisierung eines Kurzfilmprojektes).

Kontakt: www.celinavonbezold.de

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Letzte Änderung: 07.11.2016