14. Welche anderen Demenzerkrankungen gibt es?

Die vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenzen treten in Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns auf. Dafür sind Erkrankungen der kleineren oder der größeren Hirngefäße verantwortlich, die zu kleineren Hirninfarkten bis hin zu Schlaganfällen führen. Sind die kleineren Blutgefäße betroffen, so beginnen die Symptome oft schleichend. Im Vordergrund stehen oft nicht die Gedächtnisstörungen, sondern eine Verlangsamung im Denken und eine Einschränkung der Aufmerksamkeit.

Bei Verschlüssen der größeren Blutgefäße gehen die Symptome oft in zeitlichem Zusammenhang mit einem Schlaganfall einher. Die Betroffenen zeigen ausgeprägte körperliche Symptome wie Lähmungen, Empfindungsstörungen, Sprach- und Sehstörungen.

Risikofaktoren für vaskuläre Demenzen sind insbesondere Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes), das Rauchen und häufig auch Übergewicht. Da diese Faktoren gut zu beeinflussen sind, könnte durch eine gezielte Prävention das Auftreten vaskuläre Demenzen stark vermindert werden.

 

Die Frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit)

Die Frontotemporale Demenz (FTD) ist eine eher seltene Form der Demenz, die durch einen Nervenzelluntergang in den Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns verursacht wird. Der Prager Arzt und Pathologe Arnold Pick beschrieb 1892 erstmals einen Patienten mit dieser Erkrankung. Pick-Erkrankungen treten durchschnittlich zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr (Spanne von 20–85 Jahren) auf und machen nur rund 3–9 % aller Demenzerkrankungen aus (im Vergleich dazu Alzheimer: ca. 70 %). Über Ursachen oder Risikofaktoren liegen bislang noch keine Erkenntnisse vor. Im Vordergrund der Symptomatik stehen Veränderungen der Persönlichkeit, des Verhaltens und der Sprache. Gedächtnisprobleme sind im Vergleich zu Alzheimer eher weniger stark ausgeprägt. Eine ursächliche Behandlung ist derzeit nicht möglich. Die bei der Alzheimer-Krankheit eingesetzten Medikamente zeigen bei Pick-Erkrankten keine positiven Effekte.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ermöglicht über eine Internet-Video-Gruppe einen bundesweiten Erfahrungsaustausch für Angehörige von Menschen mit einer Frontotemporalen Demenz.
Nähere Informationen unter:
https://www.deutsche-alzheimer.de/die-krankheit/frontotemporale-demenz/ftd-erfahrungsaustausch.html

An der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München gibt es eine "Pick-Sprechstunde" sowie eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Frontotemporaler Demenz.

 

Lewy-Körper-Krankheit

Lewy-Körper sind kleine kugelförmige Einschlüsse in Nervenzellen, die aus alpha-Synuklein bestehen. Sie wurden von Friedrich Lewy entdeckt, der ein Mitarbeiter von Alois Alzheimer war. Bei der Parkinson-Krankheit kommen Lewy-Körper in bestimmten Kerngebieten des Hirnstamms vor, bei der Lewy-Körper-Krankheit findet man sie auch in der Hirnrinde.

Eine familiäre Häufung lässt sich meist nicht feststellen. In seltenen erblichen Krankheitsfällen konnte man nachweisen, dass auch hier Mutationen – und zwar im Gen für alpha-Synuklein – zu Störungen der Transport- und Stoffwechselvorgänge von Nervenzellen führen und die Entstehung der Einschlusskörper hervorrufen.

Die Lewy-Körper-Krankheit beginnt in der Regel später als die Alzheimer Krankheit, das klinische Bild und der Verlauf sind ähnlich. Unterscheidungsmerkmale sind ausgeprägte optische Sinnestäuschungen, rasch und stark schwankende Aufmerksamkeit, leichtgradige Parkinson-Symptome und Unverträglichkeit von Neuroleptika. Die Überlebenswahrscheinlichkeit liegt ab Diagnosestellung bei ca. fünf bis sechs Jahren.

Leider gibt es auch für diese Patienten bislang keine zugelassenen Medikamente. In einigen Studien mit Cholinesterase-Hemmern hat sich jedoch gezeigt, dass Patienten mit Lewy-Körper-Krankheit sehr gut auf diese Medikamente ansprechen. Wegen der Sinnestäuschungen ist häufig eine Behandlung mit Neuroleptika notwendig, sie müssen aber mit größter Vorsicht eingesetzt werden, weil die Patienten gegenüber den Nebenwirkungen dieser Präparate überempfindlich sind.

Siehe auch: Projekt "Lewy-Körper-Demenz" der Alzheimer Gesellschaft München (2015 - 2016).

Letzte Änderung: 08.08.2017