03_2020 "Ist Aducanumab nun doch wirksam?

Hier bei EinBlickDemenz haben wir bereits über den Aufstieg und Fall von Aducanumab berichtet (EBD Artikel 03_2015 "Wissenschaftler begeistert – Hoffnung auf Alzheimerimpfung" und EBD Artikel 02_2019  "Das Aus der Aducanumab Studie – Gibt es noch Hoffnung auf eine Alzheimerimpfung"). Aducanumab ist eine der neuesten und vielversprechendsten Therapien gegen die Alzheimer Erkrankung. 

Bild wie Aducanumab im Blut transportiert wird

Arzneimittelverabreichung und Wirkungsweise von Aducanumab:

Aducanumab wird dem Patienten per intravenöser Infusion in das Blut verabreicht. Über das Gefäßsystem, erreicht Aducanumab das Gehirn. Im Gehirn bindet Aducanumab an Amyloid-Plaques, die in allen Alzheimer Patienten in großen Mengen auftreten und für die Auslösung der Erkrankung verantwortlich gemacht werden. Der gebundene Aducanumab-Antikörper lockt die Fresszellen des Gehirns (Immunzellen) an und bewirkt so deren Ansammlung um die Plaques herum. Haben die Fresszellen die Plaques erreicht fangen sie an diese regelrecht aufzufressen.


(Weitere Informationen zu Fresszellen finden Sie in EBD-Artikel: 01_2020: “Aktivierung des Immunsystems im Gehirn bei Alzheimer Erkrankung - zu viel des Guten?“)


Die erste und vielversprechende Aducanumab-Studie (initiiert von Biogen im Jahr 2012) zeigte bereits, dass Aducanumab die Amyloid-Plaques bei Patienten mit Alzheimer Erkrankung im Frühstadium reduziert. Darüber hinaus wurde bei mit Aducanumab behandelten Patienten ein langsamerer kognitiver Abbau festgestellt als bei Patienten, die eine Placebo-Behandlung erhielten (berichtet von EBD 03_2015 ). Die vielversprechenden Ergebnisse führten zum Start zweier weiteren Aducanumab-Studien im August 2015.

Im März 2019 gab Biogen (der Produzent von Aducanumab) bekannt, dass beide Studien vermutlich nicht die erhoffte Verlangsamung des Gedächtnisverlustes bewirken werden (berichtet von EBD 02_2019).

Fast 7 Monate nach den enttäuschenden Nachrichten, korrigierte Biogen seine vorherige Aussage. Ganz offenbar zeigte sich nun doch bei Patienten, die eine hohe Dosis des Antikörpers bekamen eine Verbesserung des Gedächtnisabbaus. Diese hoffnungsvollen Hinweise veranlassten Biogen bei der amerikanischen Kontrollbehörde (US-Amerikanische Food and Drug Administration (FDA)) die Freigabe des Medikaments zu beantragen. Vor der endgültigen Entscheidung der FDA diskutierten unabhängige Berater der FDA den Antrag und Meinungen aus der Öffentlichkeit wurden eingeholt. Am 6. November, während einer Tagung der FDA, sprach sich zwar die Mehrheit der öffentlichen Stimmen für Aducanumab aus, die Berater waren jedoch nicht überzeugt und stimmten in den meisten an sie gestellten Fragen gegen die Wirksamkeit von Aducanumab zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung. Das Votum der Berater dient zur Information der Behörde, diese ist jedoch nicht verpflichtet, dem Votum zu folgen. Eine Entscheidung der FDA bezüglich einer möglichen Zulassung für den amerikanischen Markt wird bis zum 7. März 2021 mit großer Spannung erwartet. Seit dem 30. Oktober prüft auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Antrag von Biogen, um Aducanumab auf dem europäischen Markt verfügbar zu machen. Sollte der Antikörper tatsächlich zugelassen werden, müssen sich Ärzte auf einem Ansturm von Patienten einstellen.

(Textfassung: Ida Pesämaa)

Letzte Änderung: 16.12.2020
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