01_2016
"Überraschende Verbindung zwischen Alzheimer und Diabetes Typ 2"

 

So unterschiedlich Alzheimer und Diabetes auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, ähneln die beiden Krankheiten sich in vielerlei Hinsicht. Forscher berichten in neuen Studien, dass Diabetes ein möglicher Alzheimer-Risikofaktor sein könnte.

Was haben ein an Alzheimer und ein an Diabetes erkranktes Gehirn gemeinsam?

Insulinresistenz

Das Hormon Insulin ist nicht nur ein wichtiger Faktor für die Regulierung des Blutzuckers, sondern auch ein Wachstumsfaktor, welcher den Zellen dabei hilft, Energie aufzunehmen und damit zu wachsen. Diabetes Typ 2 führt zu einer verminderten Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin. Folglich, haben Körperzellen weniger Energie zu Verfügung und können nur noch eingeschränkt wachsen. Aktuelle Studien zeigen, dass Nervenzellen eines an Alzheimer erkrankten Gehirns ebenso eine Resistenz gegen Insulin entwickeln, auch wenn die betroffenen Patienten keine Diabetiker sind.

Entzündung und Beeinträchtigung der Blutgefäße

Eine weitere Ähnlichkeit zwischen Alzheimer und Diabetes besteht darin, dass beide Krankheiten zu chronischen Entzündungen im Gehirn und Beschädigung der Blutgefäße führen. Die Blutgefäße im Gehirn sind u.a. für die Versorgung von Nervenzellen mit Sauerstoff und Nahrung zuständig. Ihre Beschädigung hindert die Nervenzellen daran, sich zu regenerieren und ihre Funktionen auszuführen. Da geschädigte Nervenzellen nicht ersetzt werden können, summieren sich die Schäden im Laufe der Jahre und manifestieren sich schließlich als Demenz.

Gibt es ein „Wundermedikament“, das beide Krankheiten heilen kann?

Kürzlich wurde ein neues anti-Diabetes Medikament entdeckt, das die Insulinresistenz reduziert. Dieses Medikament wurde in Tiermodellen für Alzheimer getestet, wobei es nicht nur die Insulinresistenz in Nervenzellen verringert hat, sondern auch die Energieaufnahme erhöhen und chronischen Entzündungserscheinungen im Gehirn reduzieren konnte.

Dieses Medikament wird derzeit in Studien in Großbritannien an Alzheimer Patienten getestet. Obwohl die Auswirkungen noch sorgfältiger analysiert und bestätigt werden müssen, deuten erste Ergebnisse auf eine erstaunliche Verbesserung der Hirnaktivität bei den behandelten Patienten hin.

Tipps für Diabetiker zur Verringerung des Risikos für Alzheimer

Regelmäßige Körperbewegung und gesunde und ausgewogene Ernährung, die aus wenig Fett und Zucker aber aus viel frischem Gemüse und Fisch besteht, kann das Risiko für Alzheimer (aber auch für andere Krankheiten, z. B. Gefäßerkrankungen) wesentlich verringern, aber nicht verhindern.


Interview mit Prof. Dr. Christian Hölscher

(Text: Dr. Fargol Mazaheri)

Prof. Dr. Christian Hölscher

 

Zur Person Prof. Dr. Christian Hölscher:

Herr Prof. Dr. Christian Hölscher ist Gruppenleiter im Bereich Neurodegeneration und Alzheimer Forschung an der Lancaster Universität in Großbritannien.

Letzte Änderung: 07.11.2016