05_2015
"Die DIAN Studie - Hoffnung auf neue Erkenntnisse in der Alzheimer-Forschung"

 

In diesem Artikel befassen wir uns mit der familiär bedingten Alzheimer Form. Hierzu gibt uns der Projektleiter Prof. Dr. med. Adrian Danek Einblicke in den Aufbau und den Ablauf der auch in München durchgeführten DIAN-Studie.

Bei der Alzheimer-Krankheit wird zwischen der sporadischen und der familiär bedingten Form unterschieden, wobei der größte Teil aller Patienten (>99% aller Fälle) an der sporadischen Form der Erkrankung leidet, welche meist nach dem 65. Lebensjahr auftritt. Alter ist hier der wichtigste Risikofaktor. Dem gegenüber sind die Ursachen der seltenen familiär bedingten Form (<1% aller Fälle) auf Gendefekte zurückzuführen, welche in einem der folgenden drei Gene auftreten: Amyloid-Vorläufer-Protein-Gen, Presenilin-1- und Presenilin-2-Gen. Presenilin-1 und -2 sind bei der Zerschneidung des Amyloid-Vorläufer-Proteins beteiligt, wobei das Beta-Amyloid entsteht, welches ursächlich ist für die Ausbildung der senilen Plaques bei Alzheimer. Betroffene mit diesen Gendefekten erkranken in praktisch allen Fällen und zudem sehr früh, meist zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Die Vererbung verläuft autosomal dominant, was bedeutet, dass für Nachkommen ein Risiko von 50% besteht, ebenfalls an Alzheimer zu erkranken.


Um die familiär bedingte Alzheimer-Form besser zu erforschen, wurde in den USA die Beobachtungsstudie „Dominantly Inherited Alzheimer Network“ (DIAN) gegründet, ein Zusammenschluss mehrerer führender internationaler Wissenschaftler. Seit 2011 ist DIAN, mit Unterstützung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), auch in Deutschland aktiv. Eine der beiden deutschen Studienzentralen wurde, neben Tübingen, an der Neurologischen Klinik der LMU am Campus Großhadern eingerichtet.


Mithilfe von bildgebenden Verfahren ist es den Forschern möglich, den Verlauf der Erkrankung viele Jahre vor Auftreten der ersten Symptome zu verfolgen. Während man bei der sporadischen Alzheimer-Form bis jetzt noch keine Möglichkeit der Vorhersage hat, kann die erblich bedingte Form schon lange vor den ersten Symptomen mit einem Gentest nachgewiesen werden. Aufgrund der engen Verwandtschaft zwischen sporadischem und familiär bedingtem Alzheimer wird demzufolge erwartet, dass die an den familiären Fällen gewonnenen Erkenntnisse auf die sporadische Form übertragbar sind. Erkenntnisse aus DIAN sollen dabei die Entwicklung von Frühtests für alle Formen von Alzheimer vorantreiben. Zudem sollen die Patienten an Studien mit neuen Medikamenten teilnehmen können. So soll überprüft werden, ob der Eintritt der Krankheit verzögert oder sogar verhindert werden kann. Zusammenfassend soll dadurch eine erfolgsversprechende Therapie entwickelt werden, welche eine frühzeitige Diagnose und Behandlung noch im frühen Stadium ermöglicht.


Eine klinische Testung auf familiär bedingten Alzheimer wird empfohlen, sofern eines der drei folgenden Anzeichen auftritt:
•    Alzheimer mit Beginn unter 60
•    Familiäre Häufung (≥3 Fälle in 2 Generationen)
•    Rascher Verlauf


Betroffene können sich hierzu jederzeit unter www.dian-muenchen.de oder www.dian-info.org weiter informieren und sich beim DIAN-Koordinationsbüro melden.

Interview mit Prof. Adrian Danek
(Textfassung Carina Lehmer)

Bild Prof. Adrian Danek

 

Zur Person Prof. Adrian Danek:

Prof. Dr. med. Adrian Danek ist seit 2002 als Professor für Kognitive Neurologie an der Neurologische Klinik der LMU tätig und ist zudem Leiter der Arbeitsgruppe Neuropsychologie. Seit 2012 leitet er das Münchner Studienzentrum der DIAN-Studie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

 

 

Letzte Änderung: 07.11.2016