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3. Wie erleben die Patienten ihre Erkrankung?

Die Wahrnehmung der eigenen Einschränkungen ist am Beginn der Alzheimer-Krankheit sehr klar. Die Patienten reagieren darauf u.a. mit tiefer Verunsicherung, Ängsten oder Niedergeschlagenheit. Es kann auch zu unkontrollierten Wutausbrüchen kommen. Verständlicherweise versuchen die Patienten, ihre Einschränkungen durch Gebrauch von Ausreden oder das Vermeiden überfordernder Situationen zu überspielen. Der Verlust der Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit wird oft noch schmerzlicher empfunden als die Störungen des Gedächtnisses. Im Kontakt zu nahen Bezugspersonen kann es zu Konflikten und Streit kommen, da den Beteiligten die Hintergründe der Veränderungen noch unklar sind.

 

Mit zunehmenden Einschränkungen von Merkfähigkeit, Erinnerung und Denkvermögen verblasst auch die Wahrnehmung des eigenen Krankseins. In Augenblicken des Versagens kann sie aber plötzlich wieder wachgerufen werden. Manchen Patienten geht der Bezug zur Gegenwart völlig verloren. Sie suchen nach ihren verstorbenen Eltern oder nach einem Zuhause, das es längst nicht mehr gibt. Dadurch geraten sie in einen Dauerkonflikt mit ihren Bezugspersonen, den sie nicht durch die Korrektur der eigenen Sichtweise auflösen können. Er vertieft das Gefühl, unverstanden und abgelehnt zu sein. Häufig erleben sich demenzkranke Menschen jedoch leistungsfähiger und jünger als sie tatsächlich sind. Der gleichaltrige Lebenspartner wird dann nicht mehr erkannt und abgelehnt, die pflegende Tochter als "Mutter" angesprochen. Nachvollziehbar, vorausgesetzt man erkennt die Erlebenswelt der Demenzkranken an.

 

Im Spätstadium der Alzheimer-Krankheit können die Patienten meist nicht mehr verstehen, was um sie herum vorgeht. Ansprechbar bleibt aber die Erlebensschicht der Gefühle: für eine zarte Berührung und für den warmen Klang einer Stimme.